Sindelfinger/Böblinger Zeitung: 17.10.2008 von Karlheinz Reichert
Hück gegen Fusion von VW - Porsche
Zu Porsche kam er rein zufällig und weil einem Abteilungsleiter die aufgeweckte Art den jungen Mannes gefiel. Heute ist Uwe Hück als Betriebsratsvorsitzender des Sportwagenherstellers einer der mächtigen Männer in der deutschen Automobilbranche.
Als Europameister im Thai-Boxen brauchte er Geld für die Weltmeisterschaft. Deshalb bewarb er sich in der Zuffenhausener Fabrik und bekam eine Absage. Doch der damals 23-Jährige ließ das nicht auf sich sitzen und meldete sich bei Porsche. „Wenn ihr keinen Platz für mich habt, ist das in Ordnung, aber sagt nicht, ich wäre dumm”, wehrte er sich. Damit hatte er seinen Arbeitsvertrag so gut wie in der Tasche.
Das war eines der ganz wenigen Geschenke, die Uwe Hück - seit seinem zweiten Lebensjahr Vollwaise - bekam. Ansonsten hat er sich durchgeboxt. Weniger mit den Fäusten, sondern mit seinem Verstand. Gebüffelt hat der Hauptschüler: Arbeitsrecht, Sozialrecht, Tarifrecht auf dem zweiten Bildungsweg, um mit den Managern auf Augenhöhe verhandeln zu können.
Daimler und BMW retten
Immer wieder schrieb er am Mittwochabend den Schülern des Sindelfinger Goldberg-Gymnasiums ins Stammbuch: Ihr müsst lernen, lernen, lernen. „Wie ein Schwamm müsst ihr das Wissen aufsaugen”, rief er im Interview (im Rahmen der Reihe Goldberg aktuell) mit den Oberstufenschülern Max Havemann und Daniel Schmidt nicht nur seinen beiden Gesprächspartnern zu, sondern auch deren Kameraden in der gut gefüllten Aula des Gymnasiums.
Uwe Hück sprach aber nicht nur viel über Bildung, sondern auch über Solidarität: „Tarifverträge sind keine Selbstverständlichkeit. Dafür muss man kämpfen. Alle. Wenn nach dem Sport einer duschen will, und er ist nicht Mitglied im Verein, dann fliegt er raus.”
Als Arbeitnehmervertreter sei er dennoch ein Fan von Produktivität und Flexibilität: „Das Unternehmen soll Geld verdienen. Dann hole ich es für die Mitarbeiter wieder zurück.” Er halte auch nichts davon, auf Halde zu produzieren. Autos, die dort herumstehen, würden nur weniger wert. Das wiederum müssten die Arbeiter bezahlen. Dann lieber ein paar Tage freimachen und mit dem Arbeitszeitkonto verrechnen, damit der Monatslohn konstant bleiben könne.
Und natürlich sprach er über Volkswagen. Sein Kernsatz: „Ich will, dass VW VW bleibt und Porsche Porsche.” Von Fusionen halte er - siehe Daimler und Chrysler - gar nichts, und eine feindliche Übernahme werde er nicht zulassen. Porsche sei nur bei VW eingestiegen, um seine eigenen Kooperationen zu retten, weil Hedge-Fonds nach den Wolfsburgern griffen, als die Aktie unter 50 Euro stand: „Die hätten anschließend Audi separat verkauft und damit den Kaufpreis wieder hereingeholt.”
Heute wünsche er sich, dass ein deutsches Unternehmen bei Daimler („der ist ganz arg wichtig für dieses Land”) und BMW einsteigt, „ehe ein Hedgefonds eingeflogen kommt und die Hülle Arbeitslosigkeit hinterlässt”.
„Kein Streit der Belegschaft”
An das VW-Gesetz habe bei Porsche 2004/2005 niemand gedacht. Heute, so finde er, müsse dessen Sperrminorität von 20 Prozent bei allen Aktiengesellschaften gelten, oder wie im Aktiengesetz üblich auf 25 Prozent hochgesetzt werden. Ansonsten sei der Streit VW gegen Porsche kein Streit der Belegschaften: „Es geht nur um ein paar Menschen da oben.” Und die dürften für den Machterhalt nicht alles kaputt machen.
Das gelte auch in der Politik. Uwe Hück will sich im Bundestagswahlkampf für die SPD stark machen, obwohl die Partei auch Dummheiten gemacht habe: „Leute, die 30 Jahre gearbeitet haben, kann man beim Arbeitslosengeld nicht gleich behandeln wie diejenigen, die nur ein Jahr gearbeitet haben.” In der Partei müsse das Soziale neu verankert werden.
Er selbst ging da am Goldberg mit gutem Beispiel voran. Als er hörte, dass das Gymnasium klamm sei und für jeden Gast 300 bis 700 Euro notwendig seien (Fahrtkostenersatz), versprach er spontan: „Ich zahle 300 Euro.”
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