Sindelfinger/Böblinger Zeitung: 23.05.2009 von Berkant Cakir
Kräftig auf den Zahn gefühlt
Die Goldberg-Gespräche sind berühmt und berüchtigt. Bedeutende Persönlichkeiten wie Günter Netzer, Gregor Gysi oder Dr. Dieter Zetsche hatten schon die Ehre. Diesmal war Verfassungsschützerin Beate Bube dran.
Wer zu spät kommt, verpasst das Beste, könnte man sagen, wenn es um die Sitzplatzmöglichkeiten bei den Goldberg-Gesprächen geht. Aber so sind sie nun mal, die Gespräche am Goldberg-Gymnasium. Schüler, Eltern, Lehrer und Politiker tummeln sich schon früh in der Aula und die vordersten Plätze sind besetzt. Die Veranstaltung hat in seinem elften Jahr schon längst Kultstatus erreicht.
Tosender Applaus ertönt, als die Präsidentin des Landesamtes für Verfassungsschutz, Beate Bube, den Raum betritt und vor den zwei Moderatoren Steffen Gann und Sandra Roßbach Platz nimmt. Die beiden haben sich gut vorbereitet, wollen die Präsidentin jedoch nicht gleich in die Zange nehmen.
Den humorvollen Beginn mit einer actionreichen Videoszene aus James Bond und der anschließenden Frage, ob „es denn beim Verfassungsschutz genauso zugeht, wie im Film”, beantwortet Beate Bube noch gelassen: „Fast, nur bei uns sind die Männer nicht so gutaussehend wie Pierce Brosnan”.
Moderator Stefan Gann fand wohl, dass genug gelacht wurde, ließ mit seiner nächsten Frage die Zuschauer aufhorchen und gab endlich den Anstoß für ein weiteres Goldberg-Gespräch.
Frage: „Haben sie eigentlich Angst, mal selbst ausspioniert zu werden?” Beate Bube: „Spionage war vor allem in Zeiten des Kalten Krieges ein heikles Thema. Heute hat es keinen hohen Stellenwert mehr und wird von Themen wie islamistischem Radikalismus, Rechtsradikalismus und Linksradikalismus überschattet.”
Mit dieser Antwort übernahm sie für Sandra Roßbach gleichzeitig den Übergang zum nächsten Thema, Islamismus und die Anschläge vom 11. September 2001. „Wie haben Sie sich eigentlich gefühlt, als Sie das erste Terrorvideo gesehen haben?” „Ich bin natürlich erschrocken und konnte es mir auch nicht erklären, dass Personen, die in Deutschland sozialisiert waren, sich so gegen die westliche Welt wenden können und sich dem Dschihad ergeben.”
Brisant wurde es auch, als das Thema Rechtsradikalismus und Linksradikalismus angesprochen wurde. Beate Bube dazu: „Das intensivere Thema in Deutschland ist sicherlich die rechte Szene, wobei die Zahl der Aktivitäten in der linken Szene auch zugenommen hat. Wir leben in einem Land, wo Pluralismus einen hohen Stellenwert hat, da muss man solche Denkweisen manchmal akzeptieren.” Die letzte Frage lautete, ob der Verfassungsschutz die Verfassung brechen müsse, um den Staat zu schützen. Beate Bube: „Die Verfassung brechen wir natürlich nicht, wir müssen aber in Grundrechte eingreifen. Das ist legitim und notwendig.”
Danach war es überstanden für Beate Bube. Sie hatte nur noch eins hinzuzufügen: „Dieses Gespräch hat mir sehr viel Freude bereitet. Hier wird einem mehr auf den Zahn gefühlt, als bei manch anderer politischen Diskussion.” Als Dank gab es für die Präsidentin des Landesamtes für Verfassungsschutz noch eine Torte mit einem aufgesetzten Bundesadler, von Schülerin Christina Hartmann. Lehrer Michael Kuckenburg passend dazu: „Auf dass sie weiterhin mit scharfem Adlerauge unsere Gegner beäugt und uns schützt.”
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